
Liebe Mitglieder,
am 3. Januar explodierte der Handy-Chat, den ich mit den anderen Amnesty-Direktor*innen teile. Der Grund: die USA griffen Venezuela an. Marcos Gómez berichtete live aus Caracas. Er und seine Kolleg*innen in Kolumbien, Chile und Argentinien waren sich einig: dieser Angriff gilt nicht allein Nicolás Maduro, der für seine Verbrechen hinter Gitter gehört. Er gilt der Unabhängigkeit und Freiheit aller lateinamerikanischen Länder. Und dabei blieb es nicht.
Die vergangenen Monate fühlen sich an wie ein Fiebertraum: von den Annexions-Drohungen gegen Grönland über den anhaltenden Genozid in Gaza bis hin zum Angriff auf den Iran. In den Abendnachrichten hören wir den US-Präsidenten, wie er dem Land mit Auslöschung droht. Derweil geht der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine in sein fünftes Jahr.
Eine Welt nimmt Kontur an, in der Macht, Willkür und das Recht des Stärkeren regieren. Die Folgen dieser Politik dokumentiert der Amnesty-Bericht zur weltweiten Lage der Menschenrechte, den wir am 21. April veröffentlicht haben.
Doch er beschreibt noch eine andere Geschichte: Weltweit gingen im vergangenen Jahr Millionen Menschen für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte auf die Straße – auch in Deutschland. Darauf wird es in den kommenden Jahren ankommen: Widerstand zu organisieren, Bündnisse und ungewöhnliche Allianzen zu schmieden, die in der Lage sind, die autoritäre Welle zu brechen.
Und hier sind wir, ist Amnesty gefordert: Wir können einen Unterschied machen, indem wir Menschen mobilisieren, Betroffenen zur Seite stehen und Brücken zwischen politischen Lagern bauen. Lasst uns in den kommenden drei Tagen darüber diskutieren, wie wir in die Offensive kommen.
Ich wünsche uns allen eine inspirierende und mutmachende Jahresversammlung.
Eure Julia